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Leben mit Erdnussallergie ist eine Initiative der Aimmune Therapeutics Germany GmbH, München. Gemeinsam mit Betroffenen, Patientenorganisationen, Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen setzt sie sich für die Bedürfnisse von Erdnussallergiker:innen und gegen die Stigmatisierung durch ihre Krankheit ein. Das Ziel ist der offene Dialog und ein gegenseitiges Verständnis von Betroffenen und Nichtbetroffenen.

Gerne vermitteln wir Experten und Erdnussallergiker:innen zu speziellen Fragen rund um das Thema Erdnussallergie – für Ihre Hintergrundberichte, tagesaktuelle Expertenmeinungen, Interviews oder Bild- und Videoanfragen.

Sie finden hier die aktuellen Pressemeldungen der Initiative Leben mit Erdnussallergie. Wenden Sie sich bei Fragen gerne an:

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ANNE MALIN
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Entspannt in den Urlaub – trotz Erdnussallergie

München, 19.05.2022 – Endlich geht’s wieder in den Urlaub: Kulturen entdecken, die Sonne genießen und es sich gut gehen lassen! Für Menschen mit einer Erdnussallergie aber reicht Kofferpacken nicht aus. „Von einer Erdnussallergie Betroffene – etwa Eltern mit einem allergischen Kind – sollten ihre Reise etwas umfangreicher planen als andere“, empfiehlt Ernährungsberaterin Dr. Yvonne Braun von der Betroffenenorganisation Nuss/Anaphylaxie Netzwerk (NAN) e. V. In Europa sind rund 1,6 Prozent der 2- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen von einer Erdnussallergie betroffen1. Schon der zufällige Kontakt mit dem Allergieauslöser Erdnuss – etwa im Restaurant oder durch unbekannte Lebensmittel aus dem Laden – kann bei diesen Personen zu körperlichen Reaktionen führen, die den Urlaub vermiesen oder sogar vorzeitig beenden können. „Unsere Erfahrung aus der Beratung betroffener Familien zeigt, dass es sich im Urlaub auszahlt, vor der Reise etwas Zeit zu investieren“, so Yvonne Braun. Sie gibt wichtige Tipps für einen entspannten Urlaub – trotz Erdnussallergie.

Endlich wieder Urlaub! Für Menschen mit Erdnussallergie aber reicht Kofferpacken nicht aus. © www.leben-mit-erdnussallergie.de/iStock.com/portishead1. Veröffentlichung unter Angabe des Copyrights kostenfrei

Medizinische Versorgung am Urlaubsort checken
Die erste Frage sollte sein, wie gut ein Urlaubsort an die medizinische Notfallversorgung angebunden ist, so die Ernährungsexpertin. Erdnussallergiker:innen haben das Risiko, versehentlich mit dem Erdnussallergen in Kontakt zu kommen und eine allergische Reaktion zu erleiden. Studien zeigen, dass etwa 60 Prozent der betroffenen Kinder über einen Zeitraum von fünf Jahren unbeabsichtigt mit Erdnüssen in Kontakt kommen, auch wenn alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten wurden2. Um sich selbst helfen zu können, sollten sie – wie zu Hause auch – immer ein spezielles Set mit Notfallmedikamenten dabeihaben. Zusätzlich kann aber schnelle ärztliche Hilfe nötig sein. In einem abgeschiedenen Bergdorf oder auf einer einsamen Insel ist dies nicht ohne Weiteres gegeben. Deshalb ist es ratsam, sich im Vorfeld gut über sein Ferienziel sowie die Infrastruktur und die medizinische Versorgung vor Ort zu informieren. „Wichtig ist auch, eine aktuelle Auslandsreisekrankenversicherung für die Familienmitglieder abzuschließen und darauf zu achten, dass diese auch bei schweren allergischen Reaktionen die Kosten übernimmt. Sollte doch mal was sein, gibt es keine bösen finanziellen Überraschungen“, rät Yvonne Braun.

Ferienwohnung – oder geht auch ein Hotel?
Als Nächstes stellt sich die Frage nach einer passenden Unterkunft. Oftmals scheuen sich betroffene Familien, in einem Hotel Urlaub zu machen. Um auf Nummer sicher zu gehen, buchen viele eine Ferienwohnung, schleppen Lebensmittel mit und kochen selbst. Doch gerade im Urlaub möchte man mal für ein paar Tage auf Schnippeln, Kochen und Spülen verzichten. Die gute Nachricht ist: Es gibt Hotels, die sehr gut auf die Bedürfnisse von Menschen mit Allergien eingehen können. Wer in einem Hotel einchecken möchte, sollte im Vorfeld Kontakt aufnehmen und individuell besprechen, welche Möglichkeiten einer erdnussfreien Verpflegung es dort gibt.

Wenn der Hunger unterwegs kommt
Auch an eine gute Verpflegung bei der An- und Abreise sollte gedacht werden, so Yvonne Braun. Für die Reise sollte im Auto, Flugzeug, in der Bahn oder auf dem Schiff auf eigene Verpflegung zurückgegriffen werden. Hier hat sich bewährt, an erdnussfreie süße und herzhafte Snacks zu denken. Dabei macht man am besten keine Experimente, sondern wählt die Produkte aus, die man kennt und von denen man weiß, dass sie geeignet sind.

Wichtige Wörter in der Landessprache – und Übersetzungsapp
Betroffene sollten außerdem eine Liste mit Wörtern in der Landessprache des Urlaubsorts vorbereiten, die direkt etwas mit der Erdnussallergie zu tun haben. Was heißt Erdnuss, Allergie, Erdnussallergie, Arztpraxis, Apotheke, Krankenhaus und Notfallnummer z. B. auf Englisch, Spanisch, Italienisch oder Thailändisch? Am besten ist es, wenn alle Familienmitglieder eine Kopie der Liste haben. Inzwischen sind Übersetzungsapps auf dem Handy sehr hilfreich.

Gehören mit ins Handgepäck: Allergiepass und Notfallset
Allergien zählen zu den häufigsten medizinischen Problemen auf Flügen3. Der Allergiepass, die Reisebescheinigung für den Adrenalin-Pen und das Notfallset müssen daher immer griffbereit sein. Auf Flügen gehören sie unbedingt ins Handgepäck. Damit der Autoinjektor auch mit durch die Sicherheitskontrolle darf, benötigt man eine Reisebescheinigung in deutscher und in englischer Sprache. Denn der Autoinjektor enthält eine Spritze, welche eigentlich im Flieger im Handgepäck verboten ist. „Außerdem ist der Adrenalinautoinjektor temperaturempfindlich“, warnt Dr. Braun. Er dürfe bis maximal 25 Grad gelagert werden, damit er seine Wirkung behält4. Bei sommerlich-heißen Temperaturen müsse das wichtige Notfallmedikament in einer entsprechenden Kühltasche mitgenommen werden, die in Apotheken oder im Onlinehandel erhältlich ist4.

Weitere Tipps zum Allergiemanagement – auch im Urlaub – erhalten Sie auf der Internetseite des Nuss/Anaphylaxie Netzwerks (NAN) e. V.

Dr. Yvonne Braun, Stellvertretende Vorsitzende
Nuss/Anaphylaxie Netzwerk (NAN) e. V.

Leben mit Erdnussallergie ist eine Initiative der Aimmune Therapeutics Germany GmbH, München. Gemeinsam mit Betroffenen, Patientenorganisationen, Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen setzt sie sich für die Bedürfnisse von Erdnussallergiker:innen und gegen die Stigmatisierung durch ihre Krankheit ein. Das Ziel ist der offene Dialog und ein gegenseitiges Verständnis von Betroffenen und Nichtbetroffenen. www.leben-mit-erdnussallergie.de.


Quellen
1. Nwaru BI, et al. Prevalence of common food allergies in Europe: a systematic review and metaanalysis. Allergy 2014; 69(8):992-1007.

2. Vander Leek TK, Liu AH, Stefanski K, et al. The natural history of peanut allergy in young children and its association with serum peanut-specific IgE. J Pediatr 2000;137(6):749-55.

3. Allergieinformationsdienst. Reisen mit Allergien. https://www.allergieinformationsdienst.de/vorbeugung-schutz/auf-reisen.html. Zuletzt aufgerufen am 04.05.2022.

4. Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB). Sommerhitze: Richtige Lagerung von Adrenalinautoinjektoren: https://www.daab.de/blog/2020/08/sommerhitze-richtige-lagerung-vonadrenalinautoinjektoren/. Zuletzt aufgerufen am 04.05.2022.
 

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Schöne Adventszeit – auch für Menschen mit Erdnussallergie

München, 23. November 2021 – Die Vorweihnachtszeit ist für viele die schönste Zeit des Jahres. Wenn es draußen winterlich kalt und dunkel ist, versüßen Spekulatius und Co. das Beisammensein mit Familie und Freunden. Für Menschen mit Erdnussallergie ist das jedoch eine Herausforderung, da sich die allergieauslösende Zutat häufig in Schokolade und Gebäck versteckt1 und bei manchen Betroffenen schon kleinste Spuren von Erdnüssen allergische Reaktionen auslösen können2. Diese können im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein3. Gerade für Kinder und Jugendliche ist es bei Weihnachtsfeiern in der Kita, in der Schule und im Sportverein schwierig, einen versehentlichen Kontakt mit erdnusshaltigen Lebensmitteln zu vermeiden. Wünschenswert ist es, dass auch Menschen ohne Allergien beim Backen in der Weihnachtszeit mitdenken und andere informieren, wenn sie Erdnüsse und weitere potenzielle Allergieauslöser in Gebäck oder anderen Speisen verarbeiten.

Bei diesen Plätzchen sind Erdnüsse Deko und gut sichtbar. Sie können in Adventsgebäck aber versteckt enthalten sein – für Menschen mit einer Erdnussallergie eine Gefahr. © www.leben-mit-erdnussallergie.de/Adobe Stock/Evgenij Jakimovich. Veröffentlichung unter Angabe des Copyrights kostenfrei.

In Europa leben rund 1,6 % der Kinder und Jugendlichen von 2 bis 17 Jahren mit einer Erdnussallergie4. Was viele nicht wissen: Erdnussallergie ist keine harmlose Unverträglichkeit. Im Gegenteil, sie ist eine gefährliche Lebensmittelallergie und kann bei Betroffenen schwere allergische Reaktionen auslösen, die unmittelbar bei oder nach dem Verzehr von Erdnussspuren auftreten. Typische Symptome einer Erdnussallergie sind Kribbeln und Juckreiz in Mund und Rachen sowie mitunter auch Übelkeit und Erbrechen. Bei manchen Menschen mit Erdnussallergie können schon Mikrogrammmengen von Erdnuss zu einem möglicherweise lebensbedrohlichen Allergieschock führen. Das körpereigene Immunsystem gerät dann in einen Ausnahmezustand. Der Rachen schwillt zu, es kommt zu Atemnot und Kreislaufproblemen und in schlimmen Fällen zu Bewusstlosigkeit, Atem- und Kreislaufstillstand. Kündigt sich ein Allergieschock an, muss umgehend ein Notarzt gerufen werden.

Erdnüsse in Adventsgebäck: oft günstiges Ersatzprodukt
Damit es gar nicht erst so weit kommt, ist es für Erdnussallergiker:innen wichtig, dass sie nicht mit der allergieauslösenden Zutat in Kontakt kommen. Gerade das macht für sie jedoch die Advents- und Weihnachtszeit besonders stressig. Denn in Weihnachtsgebäck werden Erdnüsse oft als günstiger Ersatz für Haselnüsse und Mandeln eingesetzt, oder es werden Erdnussmehl und -paste als Ersatz für Milch verwendet. Besonders schwierig für Betroffene: Während Produkte mit Erdnüssen gekennzeichnet werden müssen, ist der Hinweis „kann Spuren von Erdnüssen enthalten“ bei Lebensmitteln, die im Herstellungsprozess möglicherweise mit dem Allergen kontaminiert wurden, freiwillig5. Im Alltag bedeutet das, jede Lebensmittelverpackung in die Hand zu nehmen und zu prüfen, ob Erdnüsse in dem Produkt enthalten sind, und dennoch nie sicher sein zu können, dass wirklich kein versteckter Allergieauslöser enthalten ist. Daher sollten auch die Kita oder Schule informiert werden sowie Eltern von Freunden. Bei Kindergeburtstagen kann es sogar ratsam sein, eigenes Essen mitzunehmen.

Angst, Unsicherheit, Sorge: wenn die Lebensqualität leiden kann
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kommen ca. 60 Prozent der Kinder mit Erdnussallergie über einen Zeitraum von fünf Jahren unbeabsichtigt mit Erdnüssen in Kontakt6. „Eltern berichten uns immer wieder davon“, sagt Dr. Yvonne Braun von der Betroffenenorganisation Nuss/Anaphylaxie Netzwerk (NAN) e.V. „Daher ist der Alltag für Betroffene häufig von Angst und Unsicherheit bestimmt. Besonders Eltern sorgen sich, ob sie an alles gedacht haben und nichts übersehen. Darunter leidet unserer Erfahrung nach in vielen Fällen die Lebensqualität in den Familien.“ Das bestätigen auch die Daten der bislang größten europäischen quantitativen Studie zu den psychosozialen Auswirkungen einer Erdnussallergie7. Für Deutschland zeigt sich dabei: Erdnussallergiker:innen und ihre Angehörigen fühlen sich unsicher im Umgang mit den zum Teil schwerwiegenden allergischen Reaktionen. 52 Prozent leiden unter Angst in Verbindung mit ihrer eigenen Erdnussallergie oder der eines Familienmitglieds und 90 Prozent gaben an, sich in ihrem Sozialleben eingeschränkt zu fühlen7.

Wie kann geholfen werden?
Damit Menschen mit Erdnussallergie geholfen wird, forschen einige Unternehmen und Universitäten an neuen Therapieansätzen, wie der sogenannten Allergen-Immuntherapie (AIT). Dabei geht es darum, den Körper über genau dosierte Gaben des allergieauslösenden Stoffs an diesen zu gewöhnen, ähnlich wie bei den Desensibilisierungen gegen Hausstaubmilben, Pollen oder Wespengift. Untersucht werden etwa Pflaster, die Erdnuss über die Haut an den Körper abgeben, oder die orale Gabe von genau dosiertem Erdnusspulver, das regelmäßig der Nahrung beigemischt und so über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Das Ziel dieser Therapien ist es, dass ein unbeabsichtigter Verzehr von Erdnuss nicht gleich schwerste allergische Reaktionen auslöst. Doch aufgepasst: Auch mit derartigen Erdnusstherapien können Erdnüsse nicht einfach gesnackt werden. Sie müssen nach wie vor vollständig vermieden werden.

Zudem ist für Betroffene auch die Unterstützung von Menschen ohne Allergie in der Adventszeit und darüber hinaus hilfreich. Darauf weist Dr. Yvonne Braun hin und sagt: „Aufklärung in der Bevölkerung zu Erdnussallergie ist sehr wichtig. Personen, die Bescheid wissen, wie schlimm die allergischen Reaktionen auf Erdnüsse sein können, werden eher Verständnis dafür haben, dass sich Erdnussallergiker:innen vor einem versehentlichen Kontakt mit Erdnüssen fürchten.“ Wenn man dann noch beim Backen und Kochen mit erdnussfreien Plätzchen oder Desserts auf Nummer sicher geht, kann man den betroffenen Kindern und ihren Eltern das Leben erleichtern. Wer Besuch bekommt oder etwas Leckeres zu einer Weihnachtsfeier beisteuert, aber nicht auf Erdnüsse verzichten will, kann ein Hinweisschild zum Gebäck oder zur Speise legen und eventuell eine Alternative ohne Erdnüsse mit anbieten. Jeder kann so dazu beitragen, dass auch Betroffene und ihre Familien eine schöne und entspannte Adventszeit genießen können.


Quellen
1. Pele M, Brohée M, Anklam E, et al. Peanut and hazelnut traces in cookies and chocolates: relationship between analytical results and declaration of food allergens on product labels. Food Addit Contam 2007;24(12):1334-44.

2. Pumphrey. Lessons for management of anaphylaxis from a study of fatal reactions. Clin Htmlent Glyphamp Asciiamp Exp Allergy 2000;30(8):1144–50.

3. Worm M et al. Update Leitlinie zum Management lgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien, S2k-Leitlinie der DGAK, Allergologie, Jahrgang 44, Nr. 7/2021, S. 488-54.

4. Nwaru BI, et al. Prevalence of commmon food allergies in Europe: a systematic review and meta-analysis. Allergy 2014; 69(8):992-1007.

5. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates; https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:304:0018:0063:de:PDF.

6. Vander Leek TK, Liu AH, Stefanski K, et al. The natural history of peanut allergy in young children and its association with serum peanut-specific IgE. J Pediatr 2000;137(6):749–55.

7. DunnGalvin A, Blumchen K, Timmermans F, et al. APPEAL‐1: A multiple country European survey assessing the psychosocial impact of peanut allergy. Allergy 2020;all.14363.

Leben mit Erdnussallergie ist eine Initiative der Aimmune Therapeutics Germany GmbH, München. Gemeinsam mit Betroffenen, Patientenorganisationen, Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen setzt sie sich für die Bedürfnisse von Erdnussallergiker:innen und gegen die Stigmatisierung durch ihre Krankheit ein. Das Ziel ist der offene Dialog und ein gegenseitiges Verständnis von Betroffenen und Nichtbetroffenen. www.leben-mit-erdnussallergie.de.

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Erdnüsse sind keine Peanuts

Deutscher Lebensmittelallergietag am 21. Juni: Fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter einer Lebensmittelallergie. Die Erdnuss ist einer der häufigsten und stärksten Auslöser einer schweren allergischen Reaktion. Laut einer aktuellen Studie haben viele Betroffene Ängste und erfahren Ausgrenzung. Nichtbetroffene dagegen wissen sehr wenig über die Erkrankung. Die Initiative www.leben-mit-erdnussallergie.de klärt auf.

11. Juni 2021 – „Kann Spuren von Erdnüssen enthalten“ – für die meisten von uns ist dieser kurze Satz auf der Verpackung von Lebensmitteln nicht weiter von Bedeutung. Für Personen mit einer Erdnussallergie hingegen kann er überlebenswichtig sein. Zwischen 0,5 und 1 Prozent der Kinder in Deutschland haben an dieser Form der Allergie zu knabbern1. Sie müssen jeglichen Kontakt mit Erdnüssen vermeiden und stets ein Notfallset mit sich tragen. Denn schon bei versehentlichem Kontakt mit kleinen Mengen des Erdnussproteins droht ein anaphylaktischer Schock, der tödlich enden kann. Nichtbetroffenen fällt es oft schwer, sich auf Menschen mit Erdnussallergie einzustellen und deren Verhalten zu verstehen, denn sie kennen diese Form der Nahrungsmittelallergie kaum.

Lebensmittelallergietag macht aufmerksam
„Höchste Zeit für eine bessere Aufklärung!“, fordert daher die Initiative „Leben mit Erdnussallergie“, die sich gemeinsam mit Betroffenen, Patientenorganisationen, Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen für eine bessere Wahrnehmung und mehr Verständnis bei Nichtbetroffenen einsetzt. Was viele nicht wissen: Die Erdnussallergie ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, bei der die Betroffenen auf die Unterstützung ihrer Mitmenschen angewiesen sind.

Dies ist auch Thema des Deutschen Lebensmittelallergietags am 21. Juni, der vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (www.daab.de) ausgerufen wurde. Der Bedarf an Information ist groß: Schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung haben eine Nahrungsmittelallergie2,3,4. Auf dem Lebensmittelallergietag stehen dieses Jahr Auslöser, zeitgemäße Methoden des Alltagsmanagements und konkrete Hilfestellungen bei Nahrungsmittelallergien auf dem Programm.

Wenn Essen zum Risiko wird
Seit sie denken kann, kämpft auch die 13-jährige Milla aus Berlin mit ihrer Erdnussallergie: Sie hatte schon allergische Reaktionen nach einem Give-me-five-Handschlag mit einem Bekannten, der zuvor Erdnüsse gegessen hatte. Dies ist keine Einzelfallgeschichte: „Erdnüsse zählen zu den häufigsten und stärksten Auslösern schwerer allergischer Reaktionen, der sogenannten Anaphylaxie“, bestätigt der Kinderarzt und Allergologe Dr. Peter Eberle aus Kassel. Sie kann mehrere Regionen des Körpers gleichzeitig erfassen: Hautausschläge, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, der Kreislauf kann kollabieren. Ohne einen Adrenalin-Notfall-Pen kann das lebensbedrohlich enden, so Dr. Eberle.

Erdnüsse ein Leben lang tabu
„Erdnüsse gehören zu den Lebensmitteln, die bei entsprechend empfindlichen Patienten auch in geringen Mengen zu schweren Folgen führen können. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nahrungsmittelallergien können bei der Erdnussallergie bereits winzige Mengen ausreichen, um lebensbedrohliche Symptome hervorzurufen“, erklärt Sabine Schnadt vom DAAB. Die kritische Menge kann von Person zu Person variieren, bei Milla ist das bereits ein Dreißigstel einer Erdnuss, hatte ihr Allergologe festgestellt.

Für Menschen mit Erdnussallergie heißt es ein Leben lang: Erdnüsse sind verboten. Aber so einfach ist diese Vermeidungsstrategie nicht einzuhalten. Untersuchungen zeigen, dass 60 Prozent der Kinder über einen Zeitraum von fünf Jahren unbeabsichtigt mit Erdnüssen in Kontakt kommen5. Einige Betroffene schützen sich sogar mit einem Hund als ständigem Begleiter, der Spuren von Erdnüssen erschnüffeln kann. Das allergieauslösende Erdnussprotein kommt nicht nur in Flips, Erdnussbutter oder asiatischen Gerichten vor. Es kann auch in Süßigkeiten, Backwaren und Fertiggerichten enthalten sein, übertragen etwa durch Produktions- und Verpackungsanlagen. Auch bei privaten Einladungen, im Urlaub, bei der Klassenfahrt oder dem Sommerfest – also überall, wo Lebensmittel und Essen eine Rolle spielen – kann es zu einem zufälligen Kontakt kommen. Daher sind Betroffene auf das Verständnis und die Unterstützung ihrer Mitmenschen angewiesen.

Seelische Belastung und Stigmatisierung
Die Dauergefahr erzeugt Stress. Die aktuelle, erst 2020 publizierte Studie APPEAL-1 zur Lebensqualität von Erdnussallergiker:innen6 fand in Deutschland bedenkliche psychosoziale Folgen: Gut die Hälfte (52 Prozent) der Betroffenen litten besonders häufig unter Angst in Verbindung mit ihrer eigenen Erdnussallergie oder der eines Familienmitglieds. 65 Prozent berichten von sozialer Isolation und 43 Prozent von Schikanen. Sehr oft wird die Erdnussallergie daher von den Betroffenen verheimlicht. Auch Milla musste schon nach ihrem ersten Grundschuljahr die Schule wechseln, weil die Lehrerin überfordert war und Mitschüler:innen sie gemobbt hatten. Um kleinen und großen Erdnussallergiker:innen solche Erfahrungen zu ersparen, ist Aufklärung also gerade auch bei Nichtbetroffenen besonders wichtig!
Milla hat sich nie isoliert und sich immer mit ihren Mitmenschen auseinandergesetzt. Sie ist so zu einer selbstbewussten Jugendlichen gereift – und zu einem Organisationstalent! Ihr Motto: „Ich beherrsche die Erdnussallergie, nicht sie mich!“

Leben mit Erdnussallergie ist eine Initiative der Aimmune Therapeutics Germany GmbH, München. Gemeinsam mit Betroffenen, Patientenorganisationen, Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen setzt sie sich für die Bedürfnisse von Erdnussallergiker:innen und gegen die Stigmatisierung durch ihre Krankheit ein. Das Ziel ist der offene Dialog und ein gegenseitiges Verständnis von Betroffenen und Nichtbetroffenen. www.leben-mit-erdnussallergie.de.


Quellen
1 bea – Stiftung zur Behandlung von Erdnussallergien. Online verfügbar unter: www.bea-stiftung.com. Zuletzt abgerufen 1. Juni 2021.

2 Bergmann KC, Heinrich J & Niemann H. Aktueller Stand zur Verbreitung von Allergien in Deutschland. Allergo J 25, 22–26 (2016). 

3 Langen U, Schmitz R, Steppuhn H. Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Deutschland. Bundesgesundheitsbl 2013·56:698–706. 

4 Gupta RS, Warren CM, Smith BM, Jiang J, Blumenstock JA, Davis MM, Schleimer RP, Nadeau KC. Prevalence and Severity of Food Allergies Among US Adults. JAMA Netw Open. 2019 Jan 4;2(1):e185630. 

5 Vander Leek TK, Liu AH, Stefanski K, et al. The natural history of peanut allergy in young children and its association with serum peanut-specific IgE. J Pediatr 2000;137(6):749–55. 

6 DunnGalvin A, Blumchen K, Timmermans F, et al. APPEAL-1: A multiple country European survey assessing the psychosocial impact of peanut allergy. Allergy 2020 Nov; 75(11):2899–2908.

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10 Fakten zur Erdnussallergie 

Was auch alle diejenigen wissen sollten, die nicht von dieser Nahrungsmittelallergie betroffen sind.

1 Nahrungsmittelallergien nehmen zu: Spitzenreiter Erdnuss
Erdnüsse zählen zu den häufigsten und heftigsten Auslösern einer Nahrungsmittelallergie. In Deutschland sind 0,5 bis 1 Prozent aller Kinder betroffen1.

2 Prognose: bleibt häufig ein Leben lang
Häufig verändert sich bei allergischen Kindern die Empfindlichkeit im Laufe der Entwicklung: Die Allergie kann deutlich schwächer werden. Eine Erdnussallergie ist hartnäckiger: Sie bleibt bei 4 von 5 Betroffenen ein Leben lang bestehen2.

3 Symptome: schwer einzuschätzen
78 Prozent der Betroffenen sind sich nicht sicher, wie sie die Symptome einer allergischen Reaktion erkennen können, und 88 Prozent wissen nicht sicher, wann ein Notfallmedikament einzusetzen ist. Dies sind Erkenntnisse aus der APPEAL-1-Studie aus dem Jahr 2020, in der die Lebensqualität von Menschen mit Erdnussallergie in Europa untersucht wurde4.

4 Notfall: ab in die Klinik
48 Prozent der Befragten in Deutschland mussten aufgrund einer allergischen Reaktion auf Erdnüsse schon einmal zur Notfallversorgung ins Krankenhaus3

5 Anaphylaxie: wissen, was zu tun ist
Eine Anaphylaxie ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion. Schlimmstenfalls kann sie lebensbedrohlich verlaufen. Deshalb sollten Erdnussallergiker immer einen Notfallpass und ihr Notfallmedikament bei sich haben, in der Regel ein sogenannter Adrenalin-Autoinjektor. Kann er aufgrund der anaphylaktischen Beschwerden nicht mehr selbst bedient werden, muss eine Hilfsperson das Adrenalin geben – und dann sofort über 112 Rettungskräfte rufen. 

6 Dauerthema: Angst vor der nächsten schweren Reaktion
Erdnüsse lösen unter den Nahrungsmittelallergien am häufigsten anaphylaktische Reaktionen, also besonders starke, mehrfache allergische Symptome, aus. Einer der wesentlichen Gründe, warum 52 Prozent der deutschen APPEAL-1-Studienteilnehmer Ängste im Zusammenhang mit ihrer Allergie entwickeln4.

7 Verständnis: Unterstützung von Vorsichtsmaßnahmen
65 Prozent der Befragten aus der APPEAL-1-Studie fühlten sich durch die Erdnussallergie isoliert. Sie können für Außenstehende schnell mal „zickig“ rüberkommen, wenn sie explizit nach Essenszutaten fragen, auf getrennte Zubereitung von allergenfreier Nahrung achten oder niemals Geschirr teilen. Doch dieses Verhalten ist genau richtig. Nichtbetroffene sollten sie bei dieser Achtsamkeit unterstützen. Zum Beispiel: Auf dem Spielplatz nicht ungefragt Lebensmittel an ein Kind weitergeben oder nicht ärgerlich reagieren, wenn jemand selbst gebackene Lebensmittel ablehnt.Nützliche Informationen dazu geben der Deutsche Allergie- und Asthmabund (www.daab.de) sowie das Netzwerk Nussallergie NAN e. V. (www.nussallergie.org).

8 Ernst nehmen: Empathie nimmt Angst
Ob in der Schule oder am Arbeitsplatz, sogar manchmal in der Arztpraxis – nicht immer wird die Erdnussallergie ausreichend ernst genommen. So erhalten nur 31 Prozent der Betroffenen ärztliche Beratung und Unterstützung und 28 Prozent wurde kein Adrenalin-Autoinjektor verschrieben3. Dabei können direkte Kontaktpersonen den Erdnussallergikern viel Angst nehmen und Unterstützung geben, wenn sie das Thema ernst nehmen. Oft hilft schon Empathie.

9 Lebensmittelkennzeichnung: nicht eindeutig
Als hochallergenes Lebensmittel zählt die Erdnuss zu den 14 häufigsten Allergieauslösern, die seit einigen Jahren auf Lebensmittelverpackungen, aber auch bei loser Ware (z. B. Bäckerei, Restaurant, Catering) als Zutat gekennzeichnet werden müssen. Dagegen ist der Aufdruck „Kann Spuren von … enthalten“ freiwillig. Fehlt er, heißt das also nicht, dass eine sogenannte Kreuzkontamination in Produktions- oder Verpackungsanlagen ausgeschlossen werden kann.

10 Erdnuss: gar keine Nussfrucht
Von ihrer Struktur und Form her halten wir die Erdnuss für eine Nuss. Botanisch gehört sie aber, wie Erbsen, Bohnen oder Sojabohnen, zur Familie der Hülsenfrüchte. Wer also auf die ursprünglich aus Südamerika stammende Frucht allergisch reagiert, hat eigentlich keine Nussallergie. Dies führt laut DAAB häufig zu Verwirrung und Verwechslung – zum Beispiel beim richtigen Deuten von Allergen-Hinweisen.

Leben mit Erdnussallergie ist eine Initiative der Aimmune Therapeutics Germany GmbH, München. Gemeinsam mit Betroffenen, Patientenorganisationen, Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen setzt sie sich für die Bedürfnisse von Erdnussallergiker:innen und gegen die Stigmatisierung durch ihre Krankheit ein. Das Ziel ist der offene Dialog und ein gegenseitiges Verständnis von Betroffenen und Nichtbetroffenen.
www.leben-mit-erdnussallergie.de.

Quellen
1 bea – Stiftung zur Behandlung von Erdnussallergien. Online verfügbar unter: www.bea-stiftung.com. Zuletzt abgerufen 1. Juni 2021.

2 Stiefel G, Anagnostou K, Boyle RJ, et al. BSACI guideline for the diagnosis and management of peanut and tree nut allergy. Clin Exp Allergy 2017;47(6):719–39.

3 Blumchen K, DunnGalvin A, Timmermans F, et al. APPEAL‐1: A pan‐European survey of patient/caregiver perceptions of peanut allergy management. Allergy 2020;75(11):2920–35.

4 DunnGalvin A, Blumchen K, Timmermans F, et al. APPEAL‐1: A multiple country European survey assessing the psychosocial impact of peanut allergy. Allergy 2020;75(11):2899–2908.

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Dipl.-Oecotroph. Anne Malin, amalin@aimmune.com, (+49) 89 46148615
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Stand: Juni 2021

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