Erdnussallergie – Wertvolles Wissen für Nichtbetroffene

Wer selbst keine Erdnussallergie hat, kann oft nur schwer nachvollziehen, was es bedeutet, mit dieser Herausforderung leben zu müssen. Doch dein Wissen über diese unter Umständen lebensbedrohliche Allergieform kann den Alltag von Betroffenen erleichtern und sicherer machen. Wie? Das verdeutlichen dir unsere acht Tipps. Hilf mit: Erweitere dein Know-how und verbreite es!

Menschen mit Erdnussallergie sind ständig auf Spurensuche. Wie akribische Detektive müssen sie immer nach Erdnussspuren fahnden. Denn bereits kleinste Mengen können bei manchen Betroffenen schon sehr heftige allergische Reaktionen auslösen. Wir sprechen hier also nicht nur von Erdnussöl, -soße oder -knabbereien. Im Extremfall genügen schon Mikroteilchen in der Luft, die eingeatmet werden, oder klitzekleine Reste, die durch einen Kuss übertragen werden.

Was du tun kannst:
Lernst du einen Menschen mit Erdnussallergie kennen, ist Offenheit das Beste: Frage nach persönlichen Erfahrungen und möglichen Gefahrenquellen, so kannst du dich am besten hineinversetzen und auch unterstützen.

Stell dir vor, du schüttelst jemandem die Hand, der zuvor Erdnüsse gegessen hat. Kurz darauf schiebst du dir z. B. einen Kaugummi in den Mund – und bekommst nach kürzester Zeit heftige Allergiesymptome: Hautausschlag, Schwellungen, Atemnot, dir wird ganz anders … Unachtsamkeit kann für Menschen mit Erdnussallergie schwere allergische, sogar lebensbedrohliche Reaktionen zur Folge haben.  

Was du tun kannst:
Sicher verstehst du nun besser, dass Menschen mit Erdnussallergie beim Essen doppelt und dreifach vorsichtig sind, viel nachfragen oder sogar ihr eigenes Essen mitbringen. Eine Studie aus dem Jahr 2020, in der die Lebensqualität von Menschen mit Erdnussallergie in zahlreichen europäischen Ländern untersucht wurde, hat herausgefunden, dass etwa die Hälfte der Menschen mit Erdnussallergie unter Ängsten leiden.1
Du hilfst ihnen sehr, wenn du dich geduldig und verständnisvoll zeigst.

„Vier Augen sehen mehr als zwei.“ Nach diesem Motto kannst du Menschen mit Erdnussallergie unterstützen. Ob in der Familie oder im Freundeskreis, in der Schule oder in der Arbeit – achte darauf, wichtige Vorsichtsmaßnahmen in den gemeinsamen Alltag zu integrieren. Denn es hilft den Betroffenen sehr, wenn mehrere Personen auf ihr erdnussfreies Leben achten. 

Was du tun kannst:

  • Wenn du dir bei Speisen unsicher bist, dann lieber etwas nicht anbieten oder deine:n Freund:in mit Erdnussallergie fragen, welches Lebensmittel angeboten werden kann
  • Kein „unsicheres“ Essen teilen, das eventuell Erdnussspuren enthalten könnte
  • Prüfen der Zutaten, um mehr über die Inhaltsstoffe zu erfahren
  • Alle vor dem Kochen, Essen und Tischdecken Hände waschen
  • Geschirr, Besteck, Trinkhalme etc. nicht miteinander teilen
  • Keine Küsse auf den Mund, falls du etwas Erdnusshaltiges gegessen hast
  • Keine Ednussprodukte in der Gegenwart von Erdnusallergiker:innen öffnen
  • Und vor allem nicht auf die Einladung verzichten, nur weil alles „so kompliziert“ scheint, mit Planung ist vieles möglich

In Deutschland leiden 0,5 bis 1 Prozent der Kinder und Jugendlichen2 unter einer Erdnussallergie – Tendenz steigend. Sie müssen von klein auf lernen, mit ihrer Allergie umzugehen. Das bedeutet oft, Nein zu Lebensmitteln zu sagen. Natürlich fällt ihnen das nicht immer leicht – vor allem, wenn andere Kinder auf dem Pausenhof (oder gut meinende, aber wenig informierte Erwachsene) „unsichere“ Leckereien anbieten. So kommen etwa 60 Prozent der Kinder mit Erdnussallergie über einen Zeitraum von fünf Jahren unbeabsichtigt mit Erdnüssen in Kontakt.3

Was du tun kannst:
Du kannst Kinder in solchen Situationen unterstützen, indem du …

  • sie ermutigst, besser einmal zu oft als einmal zu wenig abzulehnen.
  • für sie eine sichere, alternative Leckerei organisierst (Obst, Rohkost, Gummibärchen).
  • die anderen Anwesenden über die Gefahren aufklärst.
  • aktiv dazu beiträgst, dass das Kind nicht ausgegrenzt wird.

Wo Unwissen herrscht, kommt es auch schnell zu Missverständnissen oder sogar Mobbing. Tatsächlich berichten Betroffene mit Erdnussallergie in einer Studie1 von sozialer Isolation (65 %) und Schikanen (43 %). Ausgrenzungserfahrungen sind gerade auch bei Kindern mit Erdnussallergie keine Seltenheit – und sehr bitter. Denn zum hohen Druck, der durch die Allergie entsteht, kommen Frust und sozialer Stress hinzu.

Was du tun kannst:
Kommst du in so eine Situation, zeige dich solidarisch. Hilf aufzuklären und schaffe ein Umfeld, in dem ihr offen über Erdnussallergie sprechen könnt. Betroffene wollen oft nicht zur Last fallen und ziehen sich lieber zurück. Wenn du andere für das Thema sensibilisierst und öffnest, kannst du dem vorbeugen.

Jeder von uns kennt den Aufdruck: „Kann Spuren von Erdnüssen enthalten.“ Doch die wenigsten wissen, dass diese Spurenkennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen freiwillig ist. Dabei handelt es sich um mögliche Kontaminationen von Lebensmitteln, die eigentlich keine Erdnüsse enthalten. Sie können z. B. in Produktionsanlagen geschehen. Wegen der Freiwilligkeit des Hinweises, garantiert ein Fehlen des Hinweises daher nicht, dass keine Spuren enthalten sein können! Anders verhält es sich bei der Angabe der Zutaten: Auf der Zutatenliste müssen die häufigsten Allergieauslöser fett oder unterstrichen hervorgehoben werden – Erdnüsse natürlich auch.

Was du tun kannst:
Wenn du dir unsicher bist, dann frage lieber deine:n Freund:in mit Erdnussallergie, welches Lebensmittel er oder sie essen würde. Achte zudem zusätzlich auch du auf solche Hinweise, um Menschen mit Erdnussallergie zu unterstützen. Verbreite diese Information in deinem Umfeld, damit auch andere achtsamer werden. Wenn du mehr wissen willst, klick mal zum Nuss/Anaphylaxie Netzwerk (NAN) e.V. oder zum Deutschen Allergie und Asthmabund (DAAB)

Allergiesymptome können sich ganz unterschiedlich äußern und in ihrer Intensität von leicht bis schwer von Person zu Person variieren, z.B.: juckender Hautausschlag, Schwellungen im Gesicht, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Hautblässe, Verengung der Atemwege (Husten, Heiserkeit, pfeifende Atmung, Atemnot), beschleunigter Herzschlag, sinkender Blutdruck, Schwindel und körperliche Schwäche. Eine gefährliche allergische Reaktion liegt dann vor, wenn sich innerhalb sehr kurzer Zeit die Symptome deutlich verschlechtern. Im schlimmsten Fall führt eine allergische Reaktion zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock mit massivem Blutdruckabfall, Atemnot und Kreislaufstillstand.

Was du tun kannst:
Egal, ob im Bekanntenkreis oder bei Fremden in der Straßenbahn – bemerkst du bei einem Menschen solche allergischen Anzeichen, musst du unbedingt helfen: Biete direkt deine Hilfe an, frage nach Soforthilfe-Medikamenten und versuche zu beruhigen. Dann halte dich an die folgenden Empfehlungen …

Unter den allergieauslösenden Lebensmitteln zählen Erdnüsse zu den Nahrungsmitteln, die am häufigsten zu anaphylaktischen Reaktionen führen können (für eine Beschreibung möglicher Symptome siehe auch Punkt 7). Betroffene tragen deshalb oft ein spezielles Soforthilfe-Medikament bei sich – meist einen Adrenalin-Notfall-Pen – und einen Notfallpass, der die Anwendung erklärt.

Was du tun kannst:
Bist du bei so einer schweren allergischen Reaktion anwesend, hilf der betroffenen Person. Wenn diese ansprechbar ist, frag, was du tun kannst und hilf ihm oder ihr ggf. bei der Einnahme von Notfallmedikamenten. Wenn die betroffene Person nicht mehr ansprechbar ist, dann suche nach Notfallmedikamenten und spritze ggf. das Adrenalin in
den Oberschenkel. Rufe dann sofort über 112 die Rettungskräfte und bleibe bei der hilfebedürftigen Person. Eventuell sind weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen nötig, die du in einem Kurs lernen kannst. Diese Fähigkeiten können entscheidend sein! Weitere Informationen dazu findest du beim Deutschen Allergie- und Asthmabund

 

Quellen

1. DunnGalvin A, Blumchen K, Timmermans F et al. APPEAL-1: a multiple country European survey assessing the psychological impact of peanut allergy. Allergy 2020 Nov; 75(11):2899–2908. doi: 10.1111/all.14363.
2. bea - Stiftung zur Behandlung von Erdnussallergien. Online verfügbar unter: www.bea-stiftung.com. (Letzter Aufruf: 1. Juni 2021),
3. Vander Leek TK, Liu AH, Stefanski K, et al. The natural history of peanut allergy in young children and its association with serum peanut-specific IgE. J Pediatr 2000; 137(6):749–55. doi: 10.1067/mpd.2000.109376.  

Die Informationen auf dieser Webseite stellen in keiner Weise eine Therapieempfehlung dar und sind kein Ersatz für eine professionelle ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei Fragen rund um Ihre Gesundheit oder zu den hier erwähnten Erfahrungsberichten, zur Diagnostik und zum Krankheitsmanagement rund um Erdnussallergie, wenden Sie sich bitte an einen Arzt.